but first love

Was, wenn doch?

Zur Zeit höre ich ein Lied in Dauerschleife: „Das falsche Pferd“ von Bodo Wartke.

Stell dir vor, wir Menschen würden von nun
an nur noch Dinge tun, die wir wirklich gerne tun.
Sprich: Aus Liebe handeln und fortan
all das lassen, was wir hassen – was wäre dann?

Tue ich das, was ich liebe? Oder erfülle ich gesellschaftliche/familiäre Erwartungen? Vielleicht hat der eine oder andere sich schon mal gefragt, warum diese Seite „but first love“ (liebe zuerst bzw. zuerst Liebe) heißt. Diese Worte haben für mich zwei Bedeutungen. Zum einen stehen sie für einen Vers aus der Bibel, der sinngemäß aussagt, dass unser Leben von Glaube, Liebe und Hoffnung bestimmt werden soll – dabei sei die Liebe das Größte. Zum anderen habe ich es zu meinem Lebensmotto gemacht. Ich weiß, Lebensmotto, das klingt gleich so übergroß, perfektionistisch. Nein, darum geht es nicht. Sondern darum, wer ich eigentlich bin und was ich für eine Leidenschaft in mir trage. Was ich liebe.

Ich glaube, das ist echt das Schönste, was es gibt
wenn man das, was man tut leidenschaftlich liebt.
Man tut damit nicht nur sich selbst einen Gefallen
sondern letzten Endes allen.

Als Kind gab es ein paar Berufswünsche bei mir, die sich von Zeit zu Zeit abgewechselt haben. Tierärztin, natürlich. Und ziemlich lange hielt sich auch der Gedanke, Grundschullehrerin zu werden. Naja, in die pädagogische Richtung ging es letztlich ja auch. Aber meinen größten Traum, was einen Beruf (oder eine Berufung) angeht, habe ich immer für mich behalten. Seit ich die Buchstaben auf der Schreibmaschine erkennen und sinnvoll zu Wörtern zusammensetzen konnte, wollte ich Schriftstellerin werden. Aber davon kann man nicht leben, habe ich mir eingeredet (oder einreden lassen), das ist ja brotlose Kunst. Mach es doch für dich, sagte mal jemand zu mir, so zum Spaß an der Freude. Aber mal ehrlich, welcher Musiker komponiert denn Lieder nur für sich? Wünscht er sich nicht auch, dass Menschen seine Musik hören und davon berührt werden? Welcher Fotograf begnügt sich damit, dass seine Bilder nur in der eigenen Wohnung hängen?
Ich arbeite sehr gern mit Kindern und Jugendlichen. Aber manchmal fühlt es sich ein ganz kleines bisschen an, als hätte ich auf das falsche Pferd gesetzt. Wenn ich mir die Zeit nehmen (und nutzen) kann, einen Arbeitstag lang zu schreiben, bin ich erfüllter als bei jeder anderen Tätigkeit. Ich fühle mich zwar abends, als wäre ich einen Marathon gelaufen, aber ich bin nicht ausgelaugt müde sondern erfüllt müde. Ich bin ausgeglichener, zufriedener. Und mein Mann kann das sicher bestätigen. Das zu tun, was ich leidenschaftlich liebe soll mich antreiben, weil es mir und dadurch auch anderen gut tut. But first love. Einfach ist das nicht. Manchmal heißt das, gegen den Strom zu schwimmen. Es braucht Mut. Mut, unkonventionell zu sein. Mut, zu sich zu stehen. Aber ich bin sicher, dass es sich lohnt. Leidenschaft und Begabung gehen oft Hand in Hand. Und wenn ein Mensch das tut, was er gern und auch noch gut macht – was gibt es besseres? Vielleicht nimmst du diesen Text zum Anlass, dir Gedanken zu machen darüber, was dich antreibt. Ob es ein „Treiber“ ist, der dich positiv vorwärts gehen lässt oder der dich hemmt und dein Potential nicht zur Entfaltung bringt.

Was ist deine Leidenschaft? Welcher „was, wenn doch-Traum“ schlummert noch tief in dir?

Bleib dir treu!
Deine Stefanie

Vermutlich sagen Sie: Das funktioniert doch nie.
Naive Hirngespinste, reine Utopie.
Wenn alle täten, was sie lieben, wo kämen wir denn da hin?
Das hat doch alles überhaupt gar keinen Sinn.
Wir unterwerfen uns lieber weiterhin dem Joch,
denn das kann ja gar nicht klappen.

Was, wenn doch?

5 Kommentare

  1. Hinterher kann man immer noch sagen, es wäre falsch gewesen, es zu tun, es auszuprobieren. Gut, in diesem Fall mag es vermutlich schief gegangen sein, möglicherweise gar mit fatalen Konsequenzen. Sagen zu können, mein Handeln sei falsch gewesen, ist in Ordnung. Selbst dann, wenn man vielleicht gar den Rest seines Lebens daran zu knabbern hat.

    Was man allerdings keinesfalls tun darf, ist sein Tun zu bereuen. Zu bereuen in dem Sinne, daß man es am Besten gar nicht getan hätte. Gesetzt der Fall, der Wunsch, das Verlangen, waren da – man ist ihm jedoch nicht gefolgt… Dann – ja dann ist es unzweifelhaft so, daß man sich den Rest des Lebens gefragt hätte, was wäre, wenn… Denn dann wird man sich zeit seines Lebens Vorwürfe machen, es nicht getan, es nicht probiert zu haben. Und dieses macht krank!

    Hinterher ist man immer schlauer. Doch einem gesunden Verlangen, etwas gänzlich Neues / Anderes in Angriff zu nehmen, sollte der Mensch unbedingt folgen. Vielleicht nicht gleich mit der Brechstange, nicht gleich alle Vernunft in den Wind schlagen – meist existieren auch sanftere Methoden, einem Verlangen nachzugeben – es zumindest auszuprobieren. Wer dies nicht irgendwann macht, geht an seinem Leben / an seiner Bestimmung vorbei.

    Ralf

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