but first love

Nur ein kleiner Gefallen

Im Kino läuft gerade ein gleichnamiger Film (den ich nicht gesehen habe), ich war so frei, mich vom Titel inspirieren zu lassen – höchstwahrscheinlich geht es in diesem Blogartikel aber um etwas anderes als im Kino. 🙂

Neulich bekam ich eine Nachricht. Ob ich Zeit hätte, mal helfen zu kommen für ein Weihnachtsprojekt. Naja, Zeit hatte ich in diesem Moment tatsächlich. Also bin ich hingegangen – einmal, zweimal, dreimal. Mein Problem dabei war (und ist), dass ich in den meisten Fällen erst im Nachhinein merke, dass es zu viel war. Zu viele kleine Gefallen. Zu viel Investition in andere. (Kleiner Einschub: für einen Leser, der sich mit Hochsensibilität noch nicht so viel beschäftigt hat, mag das jetzt egoistisch klingen. Ich empfehle diesen Artikel zum besseren Verständnis.)
Ein Blick auf meine vergangene Woche zeigt mir: die Zeit, die ich für andere investiert oder mit ehrenamtlichen Tätigkeiten verbracht habe, übersteigt meine reguläre Arbeitszeit. Und die Zeit für mich. Denn es gibt ein Wort, dass mir und mit mir sicher einigen anderen (nicht nur) hochsensiblen Menschen schwer über die Lippen kommt: Nein.
Zum einen, weil keiner enttäuscht sein und es niemandem schlecht gehen soll. Zum anderen, weil manche Aussagen von Menschen uns – überspitzt gesagt – ködern. Für viele Hochsensible stehen vor allem die Herausforderungen ihrer Andersartigkeit im Vordergrund. Wenn dann jemand sagt: „Es tut so gut mit dir zu reden, ich fühle mich verstanden.“, dann ist das Bestätigung für die hochsensible Person. Und das ist auch gut – wenn es in einem gesunden Rahmen passiert. Wenn jemand zu mir sagt: „Du machst so schöne Fotos, kannst du Bewerbungsbilder, eine Veranstaltungsreportage oder Hochzeitsfotos machen?“, dann schmeichelt mir das und die Gefahr ist groß, dass aus einem kleinen Gefallen schnell ein ziemlich großer, unverhältnismäßiger werden kann.
Denn Ehrenamt kann auch eine Gefahr sein. Nämlich dort, wo die Grenzen zwischen gesundem Engagement und einer kostenlosen Arbeitskraft verschwimmen, beispielsweise wenn die Aufgabe, die ich wahrnehme an meine reguläre Arbeitszeit von 20 Wochenstunden heranreicht und damit einen halben Monatslohn wert wäre. Das steht in keinem Verhältnis mehr und trotzdem habe ich solche „kleinen Gefallen“ schon getan.
Das schwierige daran ist, dass ich mit meinem Verhalten auch gewisse Erwartungen meines Gegenübers nähre. Wenn ich dreimal ja gesagt habe und beim vierten Mal nein sage, stößt das oft auf Unverständnis – und das wiederum löst bei mir recht schnell ein schlechtes Gewissen aus. Wenn ich den ungesunden Kreislauf von zu vielen kleinen Gefallen und den daraus resultierenden Erwartungen durchbreche, kann es zu Schwierigkeiten kommen. Meine Rolle in dieser zwischenmenschlichen Beziehung und die Rolle meines Gegenübers stehen ebenfalls zueinander in Beziehung. Wenn ich meine Rolle verändere, indem ich z.B. klare Grenzen ziehe, muss mein Gegenüber zwangsläufig seine Rolle auch verändern – möglicherweise unfreiwillig. Natürlich wäre es einfacher, gar nicht erst in solche verzwickten Situationen zu kommen, aber wie ich schon sagte – manchmal merken wir erst, wo unsere Grenze war, wenn sie bereits überschritten wurde. Dann allerdings kann ich für die Zukunft lernen, besser mit kleinen Gefallen umzugehen.

Das nächste Mal, wenn mich jemand nach einem kleinen Gefallen fragt und es zwar zeitlich passt, aber Job, Ehrenamt , Zeit für andere und Zeit für mich nicht in einem gesunden Verhältnis stehen, dann habe ich einen Termin. Mit mir selbst.

Wo tappst du in die Falle, zu viele Gefallen für andere zu tun? Was hilft dir dabei, Nein zu sagen?

Bleib dir treu.
Deine Stefanie

2 Kommentare

  1. Hallo, vielleicht hilft es ja, wenn du über das Hilfsgesuch nachdenken kannst? Du könntest sagen: „Ich finde dein …..gut und würde dir gerne helfen. Ich muss aber erstmal nachdenken, ob ich die nötige Kapazität zur Verfügung habe. Ich melde mich morgen nochmal bei dir.“ So wirst du nicht so überrumpelt und hast Zeit um in Ruhe zu entscheiden.
    Eine andere Möglichkeit (bzw. am nächsten Tag) wäre es zu sagen: „Ich habe leider gerade nicht die Möglichkeit dir dabei aktiv zu helfen, aber ich kann für das Projekt beten“ (Sofern du dir das auch vorstellen kannst).
    Das waren so meine Ideen beim Lesen. Liebe Grüße 🙂

    1. Das sind zwei gute Gedanken. Nicht immer ist es möglich, erst mal Bedenkzeit zu nehmen, da – wie in dem Fall – manchmal solche Anfragen sehr kurzfristig kommen. Aber auf alle Fälle macht es Sinn, nicht zu schnell zu oft ja zu sagen. Ganz liebe Grüße!

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