but first love

Hochsensibel verliebt

Ich bin inzwischen sechs Jahre mit meinem Lieblingsmann zusammen (fast vier davon verheiratet) – streng genommen kommen wir jetzt ins „verflixte siebte Jahr“. Wenn man dem tatsächlich Aufmerksamkeit zumessen möchte…
Verflixt kann eine Beziehung doch von Anfang an sein. Oder auch noch nach zwanzig Jahren. Besonders, wenn es sich um eine Beziehung eines Hochsensiblen mit einem Normalsensiblen handelt – so wie bei uns. Diese Kombination bietet Chancen, keine Frage. Aber auch Herausforderungen.

Tendenziell suchen sich hochsensible Menschen öfter einen normalsensiblen Partner. Einen, der den Stürmen des Lebens standzuhalten vermag. Einen Fels in der Brandung. Eine positiv gestimmte, energiegeladene Person. Einen, der ganz anders ist als ich selbst. Und andersherum ist ein hochsensibler Partner für einen normalsensiblen Menschen interessant, weil er beispielsweise die eigene, weniger stark ausgeprägte Empathie, wunderbar ergänzt.
Diese Kombination aus (meist) sensibel-intuitiv und sachlich-faktenorientiert kann sich auch gut ergänzen – wenn beide Partner die eigene und die Andersartigkeit des Gegenübers kennen und schätzen lernen. Denn die Verschiedenheit will ausbalanciert werden wie auf einer Wippe, sonst steht die Beziehung in der Gefahr, dass ein Partner buchstäblich in der Luft hängt.

Herausfordernd ist vor allem der Alltag. Ich bin empathisch hochsensibel und reagiere sofort auf Veränderungen der Stimmung des anderen. Ich möchte Lasten mittragen (oder tue es unbewusst) und deshalb interessiert es mich, wie es dem anderen geht. Trotzdem muss ich mich auch selbst hinterfragen – nehme ich wirklich eine Stimmungsänderung an meinem Gegenüber wahr oder kommt sie aus mir heraus? Nichts ist anstrengender für einen normalsensiblen Partner als ein Hochsensibler, der über vermeintliche Gefühle reden will, die nicht da sind.
Oft merke ich auch, dass ich anders fühle und wahrnehme, als mein Mann. Es kann vorkommen, dass ich mich dann total unverstanden fühle, obwohl er nichts dafür kann. Oder ich hoffe, dass er etwas erkennt, ohne ihn darauf hinzuweisen – doch das überfordert ihn, denn ich schließe von meiner Wahrnehmung auf seine. Manchmal klingen Gespräche und Themen in mir noch lange nach und ich erwarte, dass er darauf Rücksicht nimmt, obwohl er schon lange einen Schritt weiter ist als ich. Ihm zu erklären, was in mir vorgeht, ist nicht nur fair sondern auch essentiell – er ist schlichtweg nicht in der Lage, so zu fühlen wie ich. Und das ist total in Ordnung.
Manchmal habe ich ein Problem damit, dass ich mit seiner Energie und Produktivität nicht mithalten kann. Ich vergleiche am Ende des Tages sein Pensum mit meinem. Das ist fatal, denn sein Pensum entspricht nicht meinem Wesen! Und es ist auch kein Problem unserer Beziehung, sondern eine Herausforderung, die ich mit mir selbst ausmachen muss:  So wie ich bin, bin ich richtig. Was ich am Ende des Tages geschafft (oder nicht geschafft) habe, reicht. Es ist in Ordnung.

Gute Kommunikation ist das A und O. Wir sind herausgefordert, über Gefühle reden zu lernen und aufmerksam zuzuhören. Es ist nicht Sinn der Sache, meine Gedanken und Gefühle auf ihn zu übertragen, genauso wenig wie nach schnellen, sachorientierten Lösungen zu suchen.
Ich brauche ein Gegenüber, das einfach da ist und mir zuhört. Und, wenn es sein muss, mich in den Arm nimmt. Darin ist mein Mann schon ziemlich gut.

Welche Erfahrungen hast du in deiner Beziehung gemacht? Wo siehst du Chancen und Herausforderungen?

Bleib dir treu!
Deine Stefanie

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