but first love

Fitzeks Thriller. Oder: Wie ich mich selbst erkannte

Ich kann heute nicht mehr genau sagen, wann das Buch in mein Leben trat. Irgendwann gegen Ende meines Studiums, ich war Anfang zwanzig, zog es in mein Bücherregal ein. Das war hauptsächlich beherrscht von Fachliteratur, Historischen Romanen und J.R.R. Tolkien, den ich zu dieser Zeit ebenfalls für mich entdeckt hatte. Ihn und den deutschen Schriftsteller Sebastian Fitzek. Thriller waren eigentlich nie meine Welt und werden es auch nie sein, aber diese Bücher waren gut. Bis mir das Werk „Splitter“ in die Hände fiel. Ich kann heute nicht sagen, ob die Geschichte überragend oder nur Mittelmaß ist, denn ich habe auf Seite 44 aufgehört zu lesen und das Buch danach nie wieder in die Hand genommen.
Auf besagter Seite liest ein Mann seinem Gegenüber einen Zeitungsartikel über sogenannte HSP-Personen vor, „Highly Sensitive Persons“. Sie würden umgangssprachlich auch als „Menschen mit krankhafter hypersensibler Störung“ bezeichnet. Der fiktive Artikel schreibt weiter, HSP hätten die Fähigkeit, sich in die Gedanken und Gefühle anderer hineinzuversetzen und einen Hang dazu, depressiv zu werden. „Wahnsinnige, die vermehrt den Freitod wählen.“
Der Mann, der diesen Artikel auf Seite 44 vorliest ist, gelinde gesagt, ein sehr unsympathischer Zeitgenosse. Das will ich dem Autor zugutehalten. Ob er je in seinem Werk mit der äußerst negativen Darstellung von Hochsensibilität und der gravierenden Fehleinschätzung, HSP zu sein sei eine Krankheit, aufräumt weiß ich nicht.

Ich setzte mich an den Laptop und googelte HSP weil ich wissen wollte, ob es dieses Phänomen wirklich gab oder ob es der Feder des Autors entsprungen war. Und dann las ich zum ersten Mal von Elaine Aron und ihren zahlreichen Büchern und Studien, von Georg Parlow und seinem Standardwerk „Zart besaitet“, von Leidens- und Hoffnungsgeschichten vieler anderer. Es fühlte sich an, als hätte jemand in meinem Kopf das Licht eingeschaltet. Auf einmal wurde mir so vieles klarer – meine schnelle Überreizung, meine emotionale Empfindsamkeit. Ja, ich war (und bin) anders. Aber nicht falsch anders, sondern richtig anders. Denn es geht nicht um Krankheit und Gesundheit, sondern um zwei verschiedene Temperamente, Wesenszüge. Richtig und richtig.

Es würde mich schon mal interessieren, wie der Autor wirklich zum Thema Hochsensibilität steht. Leider reizt es mich gerade nicht, „Splitter“ einfach noch mal ganz zu lesen. Vielleicht schreibe ich ihm irgendwann eine Mail und frage ihn, was er dazu denkt.
In erster Linie aber bin ich ihm dankbar, dass er Hochsensibilität überhaupt zum Thema gemacht hat, denn damit hat er mir die Augen geöffnet.

Welches Ereignis oder Gespräch hat dir die Augen geöffnet? Oder stehst du dem ganzen Thema auch eher kritisch gegenüber?

Bleib dir treu!
Deine Stefanie

Ein Kommentar

  1. Ich habe im letzten Jahr das Buch von Christa und Dirk Lüling „Lasten tragen, die verkannte Gabe“ geschenkt bekommen. Ich habe mich darin selbst entdeckt und auf einmal verstanden, warum ich mich an manchen Stellen so verhalte, wie ich es tue. Und es tat mir gut, zu entdecken, dass ich deshalb nicht unnormal bin, sondern eine besondere Gabe habe.

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