but first love

Als erstes…

…würde ich gern ein wenig von mir erzählen. Um das Eis zu brechen, sozusagen. Wir kennen uns ja noch nicht. Wobei, vielleicht kennen wir uns auch schon, aber noch nicht so.

Ich war ein schüchternes Kind. So zumindest schätzten mich meine Lehrer ein. Heute würde ich mich selbst nicht als schüchtern bezeichnen. Ich war introvertiert, verträumt, nachdenklich. Mein Gerechtigkeitsempfinden ließ mich für die anderen kämpfen – die verlachten Außenseiter. Die unterdrückte Welt. Ich liebte Mutter Theresa. Und dachte, es ginge allen so.
Später bezeichneten mich meine Lehrer nicht mehr als schüchtern. Eher kreativ und vorsichtig, bedacht. Manchmal ungehalten. Vor allem, wenn mich jemand um meinen Schlaf brachte. Ich kann mich an einige Situationen erinnern, da wurde ich wütend, weil Freunde mich spätabends noch vom Schlafen abhielten. Überhaupt bekam ich mit der Zeit immer mehr das Gefühl, nicht dazu zu passen. Ich konnte mit dem Freundeskreis nicht Silvester feiern, weil ich schlicht nicht in der Lage war, eine Nacht durchzumachen. Mit vielen Menschen Zeit zu verbringen – z.B. auf Freizeiten – strengte mich an. Von spannenden Kinofilmen bekam ich Bauchschmerzen und wenn jemand aus Spaß eine Schnecke zertrat, wurde ich traurig. Von dem Gedanken, allen würde es so gehen wie mir, kam ich irgendwann zu dem Punkt, dass mit mir etwas nicht stimmte.

An all diesen Punkten hat sich bis heute wenig geändert. Wobei, eins ist anders: Ich weiß heute, dass mit mir alles in Ordnung ist. Und mit den anderen auch.
Ich habe ständig mit Menschen zu tun. Wenn ich im Sommer mit siebzig Kindern und dreißig Erwachsenen auf Zeltlager fahre, dann stehe ich (wenn es meine Aufgaben erlauben) morgens erst auf, wenn alle schon beim Frühstück sitzen. Ich weiß, dass die erste Viertelstunde des Tages nur mir gehört und ich weder auf dem Weg zur Toilette noch in den Waschräumen jemanden treffe. Nicht, weil ich keinen sehen will. Sondern weil ich es brauche, um nicht so schnell zu überreizen.
Ich schaue keine Kriegsfilme mehr, vor allem keine, die auf wahren Begebenheiten beruhen. Sie klingen oft tagelang nach und wühlen mich innerlich auf, sodass ich nachts davon träume. Von spannenden Szenen bekomme ich immer noch Bauchschmerzen.
Es tut mir immer noch leid, wenn eine Taube gegen unser Fenster fliegt. Oder wenn ich ein überfahrenes Tier am Straßenrand liegen sehe.

Manch Betrachter mag denken, ich sei ziemlich verrückt. Ich würde sagen, ich bin ziemlich sensibel. Hochsensibel, um genau zu sein. Und das ist ganz normal.

Du verstehst nur Bahnhof? Oder findest dich total wieder? Dann fühl dich frei, auf meinem Blog auf Entdeckungsreise zu gehen!

Herzlich willkommen!
Deine Stefanie

3 Kommentare

  1. Ja hochsensibel.ich glaube das trifft bei mir auch zu. Ich fühle immer mit wenn irgendwo jemand auf einer Bank alleine sitzt ….Ich frag mich ob es ihm schlecht geht oder warum er eben alleine da sitzt. Ich denke manchmal ich fühle da wo andere eben nicht fühlen. Ich brauche auch meine Zeit frühs für mich sonst ist die Laune irgendwie im keller. Ich fordere es mir ein und dann Frage ich mich gleichzeitig….darf ich es mir einfordern als Mutter oder muss ich früh schon gefühlte 100 fragen beantworten?

    1. Das ist eine gute Frage. Ich bin keine Mutter, aus dem Blickwinkel kann ich das nicht beurteilen, aber ich glaube, es ist total wichtig und richtig, wenn du für dich sorgst. Denn dann kannst du auch für andere sorgen. Und ich kann mir vorstellen, dass man Kindern auch erklären kann, was du brauchst, damit es dir gut geht.

  2. Ich bin Mama von sieben jetzt erwachsenen Kindern. Erst im vergangenen Jahr habe ich herausgefunden, dass ich in den Bereich der Hochsensibilität hineinreiche, aber wohlmöglich nicht so stark wie manch anderer. Nach dem allmorgendlichen „Wahnsinn“, und bevor unsere Kinder mittags wieder „einfielen“, brauchte ich Ruhe und möglichst Niemanden, der etwas von mir wollte. Wenn ich früher gewusst hätte, was mit mir los ist, hätte ich auch versucht, den jüngeren Kindern zu vermitteln, dass ich später Zeit für sie habe. Ich habe viel innerlich gekämpft, weil andere es doch auch schafften. Oftmals ging es über meine Grenzen, sodass ich immer nach einiger Zeit flach lag, Infektionen oder weinen wegen Überforderung. Aber ich habe das eigentlich immer mit mir selbst ausgemacht und möglichst heimlich. Das war nicht gut. Ich funktionierte, hätte aber Zuspruch gebraucht, konnte das aber nicht kommunizieren. Übrigens: die vielen Kinder waren kein „Unfall“, ich wollte so viele haben und bin heute dankbar für jeden Einzelnen. Aber das Leben wäre an manchen Stellen sicher einfacher verlaufen.

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