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5 Tipps, Überreizung auf Reisen zu verringern

In vielen Punkten entspreche ich einem „typischen“ Hochsensiblen (Schubladendenken, ich weiß…). Ich brauche meine 8-10 Stunden Schlaf, schon als Kind am liebsten im eigenen Bett. Ich bin anfällig für Lärm, laute Geräusche und Temperaturschwankungen. Große Menschenansammlungen strengen mich an. Ich erspüre oft ohne ein Gespräch zu führen wie es den Menschen um mich herum geht, liebe Kunst und Natur. Vor allem brauche ich die Möglichkeit, mich zurückziehen damit aufgenommene Reize verarbeitet werden können. Im Alltag wartet da manche Herausforderung auf mich. Aber an einem Punkt in meinem Leben nehme ich diese Herausforderungen liebend gern in Kauf: wenn ich Reisen kann! 

Ich liebe es, neue und fremde Länder, Kulturen und Menschen zu entdecken. In unserem Wohnzimmer hängt eine Weltkarte, auf der jedes bereiste Land mit einer Stecknadel markiert ist. Häufig stehe ich davor und überlege, wohin ich gern die nächste Nadel stecken möchte. Wandern im Himalaja? Steht ziemlich weit oben auf meiner Liste. Mit dem Motorroller durch den vietnamesischen Dschungel? War mega! Schnorcheln im roten Meer? Schon gebucht. Eine indische Hochzeit erleben? Check! Diese Liste könnte ich beliebig fortführen. Atlantiküberquerung, Transsibirische Eisenbahn oder eine Trekkingtour quer durch die Alpen – wenn mich morgen jemand anrufen und fragen würde, ob ich Lust hätte – ich wäre dabei.

Jeder Mensch hat ein sogenanntes „optimales Erregungsniveau“, ein Zustand zwischen Langeweile und Überreizung. Dieses Fenster ist bei hochsensiblen Menschen schmaler als bei normalsensiblen. Die Gefahr, dass eine eben noch kreativ anregende Situation in die Überforderung kippt, ist groß. Da Hochsensible genauso vielfältig sind wie alle anderen Menschen, gibt es verschiedenste Wege auf der Suche nach dem „perfekten Fenster“.
Beim Thema Reisen entspreche ich wohl einer speziellen Form der Hochsensibilität, dem sogenannten „high sensation seeker“. Diese Gruppe macht etwa 30% der hochsensiblen Menschen aus und ist gekennzeichnet von einer Suche nach intensiven emotionalen Erlebnissen. Das können Extremsportler sein, genauso wie darstellende Künstler oder eben Weltenbummler.
Aber so schön wie es ist, diese wunderbare Erde hautnah zu erleben – die Gefahr, dass eine Reise durch völlige Überreizung nach hinten losgeht, fährt immer mit. Hier kommen fünf Hinweise (an mich selbst und an jeden, der sich darin wiederfindet), die Überreizung auf Reisen verhindern können.

1. Mach dir klar: Eine Fernreise ist kein Urlaub

Über die Zeit hat sich bei mir ein Denkfehler im System eingeschlichen. Ich habe einen herausfordernden Job. Wenn ich mir Urlaub nehme, um zu entspannen, darf keine Fernreise auf dem Programm stehen. Fernreisen sind Abenteuer, die ähnlich anstrengend (oder anstrengender) sein können wie ein 40h-Job im 3-Schicht-System. Danach ist meistens Urlaub vom Urlaub angesagt. Das muss ich bei meiner Planung bedenken.

2. Sei dir bewusst: Gut geplant ist ganz gewonnen

Ich fahre nie los, ohne zu wissen, wo ich abends übernachte. Höchstens, wenn wir einen Wohnwagen am Auto hängen habe. Aber dann weiß ich ja, ich übernachte im Wohnwagen.
Der intensivste Teil meiner Planung ist die Suche nach den richtigen Übernachtungsplätzen. Ich brauche erholsamen Schlaf, damit ich eine Reise genießen kann. Neben dem Preis geht es deshalb vor allem um die Lage und die Bewertungen anderer Reisender. Die modernste Einrichtung nützt mir nichts, wenn die Wände aus Papier sind und vor dem Fenster eine Schnellstraße vorbeidonnert.
Die stressigsten Momente für meinen Mann sind die, wenn bei mir wegen Überreizung (oder Hunger) die Stimmung kippt. Dann kann ich keine Entscheidungen mehr treffen. Deshalb: Vorher erkundigen, welche Restaurants in der Nähe sind (und geöffnet haben), ob es durch Feiertage zu Einschränkungen kommen kann und wie ich problemlos zum Hotel zurückkomme, wenn ich meine Ruhe brauche.

3. Glaub mir: Klimaanlagen sind nicht entbehrlich

Na gut, wir reden nicht von Hotelzimmern an der polnischen Ostsee. Da mag es angenehmer sein, statt einer Klimaanlage ein Fenster zu haben um die frische Meeresbrise hereinzulassen.
Aber während der indischen Trockenzeit, im tropischen Singapur und sogar im sommerlichen Italien ist eine Klimaanlage Gold wert. Ich habe mich schon lieber zum Schlafen auf den harten Steinfußboden gelegt, als mich im Bett hin und her zu werfen mit dem Gefühl, der Hitzetod erwartet mich. Beides ist für erholsamen Schlaf eher kontraproduktiv. Und genügend Schlaf … ihr wisst schon.

4. Wenn du kannst: Vermeide Nachtflüge

Nachtflüge und häufiges Umsteigen bewirken bei mir folgendes: Ich komme gestresst am Reiseziel an und falls ich mich erholen konnte, verpufft die Entspannung, bevor ich wieder zuhause bin.
Fliegen ist für mich ein notwendiges Übel. Es gab Zeiten, da hatte ich ausgewachsene Flugangst. Inzwischen ist es etwas besser und die „stille Panik“ (so beschreibt mein Mann meinen Zustand) bricht nicht mehr so schnell aus. Ich habe festgestellt, dass Fliegen enormen Stress für mich bedeutet. Wahrscheinlich ist das der Angstauslöser. Sowohl am Flughafen als auch im Flugzeug habe ich keine Möglichkeit, mich den Reizen um mich herum zu entziehen. Außer vielleicht auf der Toilette. Diese Grundanspannung hält mich wach – ein Nachtflug bedeutet also, eine Nacht ohne Schlaf. Mehrmaliges Umsteigen bedeutet: Neue Sitznachbarn, neuer Flughafen, neue Eindrücke. Über die Jahre habe ich festgestellt, dass wir mit Tag- und Direktflügen Stress vermeiden können. Das ist uns der Aufpreis wert.

5. Vergiss nicht: Mach mal Pause und genieße es

Wenn ich in ein fernes Land fahre, möchte ich auch etwas von diesem Land sehen. Das führt dazu, dass ich gern in eine „Ganz-oder-gar-nicht-Mentalität“ verfalle. Jeden Tag etwas unternehmen, am Pool liegen ist langweilig. Da ist er wieder, der schmale Grat zwischen Langeweile und Überreizung. Dabei geht es nicht um ganz oder gar nicht. Ein Nichtstun-Tag kann nicht nur toll sein, sondern ist notwendig. Vier Nächte an einem Ort sind angenehmer, als zweimal zwei Nächte an verschiedenen Orten. Ja, dann sehe ich weniger, aber alles, was ich sehe und erlebe muss mein Gehirn auch verarbeiten. Deshalb: Weniger ist mehr.

Das Reisen ist und bleibt für mich eine meiner liebsten Freizeitbeschäftigungen. Und mit jeder Reise lerne ich dazu – über die Welt und über mich selbst.

Kannst du dich hier wiederfinden? Hast du noch andere Tipps zum Reisen?

Bleib dir treu!
Deine Stefanie

         

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